Die deutliche und offene Abfuhr, die Viktor Orbán an diesem Sonntag erhalten hat, macht nicht an den Grenzen Ungarns halt. Eine „illiberale“ Macht wurde besiegt, aber mit ihr auch ein euroskeptischer Diskurs, der sich hinter einem vordergründigen Patriotismus verbarg. Auf Dauer kann man nicht von Europa profitieren und es gleichzeitig ständig herabsetzen oder sogar sein reibungsloses Funktionieren behindern.
Neben den scheidenden ungarischen Machthabern ist die größte Niederlage die von Donald Trump und seiner billigen MAGA-Ideologie, die versucht haben, sich in eine europäische Wahl einzumischen. Herr Vance, der drei Tage vor der Abstimmung in Budapest war und 2025 in München eine Flut von Beleidigungen äußerte, hat eine schallende Ohrfeige erhalten.
Die Europäer sind zu höflich, um bei den kommenden amerikanischen Wahlen im November in gleicher Weise zu verfahren. Sie könnten den Wählern jedoch erklären, dass sie keine ernsthaften Beziehungen mehr mit der derzeitigen Regierung unterhalten können.
Schließlich sind die russischen und amerikanischen Einmischungen in diese Wahl – ein Zeichen ihrer Verlegenheit gegenüber einer Europäischen Union, die ihren Angriffen standhält – gescheitert.
Die europäischen Bürger wollen die Europäische Union nicht aufgeben, ungeachtet ihrer teils berechtigten Unzufriedenheit mit der Gemeinschaft Europas. Meinungsumfragen sind eindeutig: Noch nie standen sie der europäischen Integration so positiv gegenüber, erwarten aber weiterhin mehr.
Falls es noch eines Beweises bedurfte, haben die Europäer nun die Bestätigung, dass sie Gegner haben: natürlich Russland, aber leider auch das Amerika von Donald Trump – und dass sie diese erfolgreich bekämpfen können.
Die Geschichte lässt sich nicht umschreiben. Orbán spielte Russland in die Hände, das Ungarn so viel Schaden zugefügt hat (1945–1948–1956). Wie könnte man das vergessen? Die Amerikaner haben Mitteleuropa so oft im Stich gelassen, insbesondere Ungarn (Jalta, Potsdam, 1948, 1956). Wie könnte man das vergessen? Die europäische Integration hat Osteuropa wieder in die Staatengemeinschaft eingeführt. Wie könnte man das vergessen? Orbán stellte sich gegen das ungarische Volksbewusstsein, indem er glaubte, es zu schmeicheln und auf seinen Ängsten zu surfen.
Welche Lehren lassen sich letztlich aus diesen ungarischen Wahlen ziehen?
Dass die Völker Autokraten ablehnen, die sich von Korruption und irreführenden Parolen nähren. Dass sie in der Europäischen Union Verträge, Mechanismen und Verbündete finden, die den Völkern dabei helfen.
Dass Euroskeptiker keine andere Wahl haben, als sich in der beispiellosen Union der europäischen Staaten aufzulösen, die die Souveränitäten respektiert, ihre Argumente zunichtemacht und deren Verlassen zu kostspielig ist.
Dass die wirren MAGA-Fantasien und der russische Revisionismus auf ihrem autoritären Weg immer irgendwann auf den Volkswillen und das universelle Streben nach Achtung der menschlichen Person, nach Rechtsstaatlichkeit und nach Demokratie stoßen werden.